Die direkte Unterstützung der Freizeitreiter durch das
Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist auch
künftig nicht vorgesehen. Änderungen des Sächsischen Waldgesetzes und der
Regelungen zur Genehmigung und Benutzung von Reitwegen sind nicht erforderlich.
Das sind die wichtigsten Schlussfolgerungen des Sächsischen Staatsministeriums
für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) bei der Mitte
September erfolgten Präsentation einer Studie. Diese hatte das Land im vorigen
Jahr bei der BTE Berlin in Auftrag gegeben. Beleuchtet wurden unter dem Titel
„Regionalökonomische Analyse des Reittourismus“ zwei Beispielregionen und die
Marktposition des sächsischen Reittourismus. Untersucht wurden die Regionen
Muldentalkreis und Vogtlandkreis.
Übermittelt wurde den geladenen Gästen, dass der Reittourismus mit einem Anteil
von 0,14% an der gesamttouristischen Wertschöpfung ein
unbedeutender Wirtschaftsfaktor im Flächenland Sachsen ist.
Bei der Präsentation des Berichtes waren neben dem Staatsministerium für
Wirtschaft und Arbeit und der sächsischen Forstbehörde auch Vertreter der
Landratsämter, Tourismusverbände und von 4 Reitverbänden anwesend (Landesverband
Pferdesport Sachsen, VFD, VDD und VWS).
Bericht: Steffen Schlott, Wanderreitbeauftragter des Landesverbandes der VFD
Mit schönen Aussichten, viel Service und reizvollen (erlaubten) Routen
holen andere Bundesländer längst die Reiturlauber aus Sachsen weg.
Zahlen und Fakten aus der Präsentation
• In Sachsen stehen zur Zeit etwa 29.000 Pferde und Ponies.
• Ca. 4.000 Tiere sind im Gelände unterwegs (gezählt nach Reitmarkenverkauf).
• Mit einer Pferdedichte von 7 pro 1.000 Einwohner liegt Sachsen im bundesweiten
Vergleich an 13. Stelle vor Hamburg, Bremen und Berlin.
• In Sachsen nehmen jährlich ca. 177.000 Tagesgäste und 43.000
Übernachtungsgäste reittouristische Angebote wahr.
• Die Einkommenswirkung liegt bei ca. 4,3 Mio €.
• Aus- und Wanderritte liegen hinter der Pensionspferdehaltung, Reit- und
Fahrkursen und Reitunterricht, Kutsch- und Kremserfahrten an letzter Stelle.
• 556 Betrieben in Sachsen wurde ein Frageboden zugeschickt, 326 Betriebe
antworteten. Davon betreiben 39% Reit- und Fahrtourismus im Haupterwerb und fast
die Hälfte (45%) im Nebenerwerb.
• 94 Reitbetriebe in den Beispielregionen wurden zu betriebswirtschaftlichen
Sachverhalten angefragt, 34 Rückmeldungen erfolgten, davon 17 aus dem
Vogtlandkreis.
Seit 15 Jahren kämpft die VFD (hier Landesvorsitzender Uwe Plate am
Messestand in Dresden)
um reiterfreundliche Regelungen in Sachsen.
Hintergrund
• Neben Nordrhein-Westfalen ist Sachsen das Bundesland mit dem
restriktivsten Reitgesetz (Kennzeichnungs- und Gebührenpflicht für Reiter,
Reiten nur auf ausgewiesenen Wegen)
• Viele andere Bundesländer, so Baden-Württemberg, Saarland, Berlin-Brandenburg
und Rheinland-Pfalz haben in den vergangenen Jahren ihre Gesetze zugunsten der
Reiter gelockert oder einzelne Beschränkungen abgeschafft.
• Andere Länder wie Mecklenburg-Vorpommern streben weitere Lockerungen zugunsten
aktiver Reitregionen an.
• Die VFD Sachsen kämpft seit Jahren gegen die Reitregelungen im Waldgesetz, die
jegliche Entwicklung reittouristischer Produkte im Freistaat verhindern. Unter
anderem durch:
- Gespräche, Schreiben und zahllose Bemühungen im Forst und beim Ministerium
- Massenpetition mit 18 000 Unterschriften an den Landtag 2005
- Juristische Beratung und Betreuung von Mitgliedern bei Reitproblemen
- Kontrolle und Aufdeckung von Missbrauch von Geldern aus der Reitgebühr, die
dadurch voriges Jahr von 35 auf 10 Euro gesenkt wurde.
- Anfrage an die im Landtag vertretenen Parteien (nur die FDP setzt sich
offensiv für die Interessen der Reiter ein)
- Fachliche Unterstützung bei der Ausweisung von Reitwegen und der Klärung von
Reitschäden durch die Schadensgutachter der Reitverbände
- (geplant) Zur bisherigen Steuermittelverschwendung und dem bürokratischen
Aufwand beim Landesrechnungshof und dem Bund der Steuerzahler Untersuchungen
einzuleiten.

Eine Massenpetition von 18 000 Reitern an den Landtagspräsidenten
zur Änderung des Waldgesetzes blieb vor Jahren ohne Ergebnis.
Kommentar: Sachsens Reiterhöfe sind abgehängt
Ein Viertagesritt durchs Vogtland? Ein Aussteigerwochenende im Erzgebirge?
Das mehrtägige Erlebnis der Oberlausitzer Bergwege als Reitwanderer? Das sind
bestenfalls Träume, die Reiterhöfe früher mal hatten. Zum Beispiel als viele
Jahre lang in Landkreisen oder landesweit mit zahllosen ABM-Gruppen oder
steuergeldfinanzierten Projekten versucht worden war, Reitrouten auszuweisen.
Millionen sind dafür in den Sand gesetzt worden. Der Aufwand war nur notwendig,
weil man vorher per Gesetz die sächsischen Wälder und Fluren generell für Reiter
gesperrt hatte – und erst danach halbherzig zu beweisen suchte, dass (mit viel
Bürokratie und gehörigem Aufwand für jeden einzelnen Reiter) Reiten in Sachsen
möglich ist.
Die Pferdeleute selbst sind in der Praxis auf vielfältige Weise an diesen
Gegebenheiten und bürokratischen Hürden inzwischen gescheitert oder haben sich
drein geschickt. Privatleute arrangieren sich auch ohne ausgewiesene Wege mit
ihrem Förster. Reiterhöfe verhandeln über kleine „Privatstrecken“ rund um den
Hof mit Landwirten und der Gemeinde. Ritte und Ausbildung fürs Reiten in der
Natur werden zugunsten einer neuen Reithalle abgeblasen. Wanderreiter sind
zumeist illegal unterwegs. Reiturlauber laden ihre Pferde auf den Hänger und
fahren in andere Bundesländer oder zum Naturparkritt (mit Leihpferd vor Ort)
nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Bayern.

Draußen gibt es doch nur Ärger. Immer mehr Reiter ziehen sich in Hallen und
auf Plätze zurück.
Für Betriebe langfristig keine Alternative, denn der Reittourismus boomt - nur
eben anderswo.
Dass der Reittourismus in Sachsen – im Gegensatz zu vielen
anderen Bundesländern - heute kein Wirtschaftsfaktor ist, ist das Ergebnis einer
15-jährigen konsequent reiter- und pferdefeindlichen CDU geführten Politik
hierzulande. Man hat das Naturerlebnis mit Pferden, das Wandern zu Pferde, eine
landschaftspflegende Pferdehaltung und das sachkundige Heranführen von Menschen
an den Umgang mit dem Tier zugunsten von zertifizierten Blumenkästen vor der
Pension abgeblockt ignoriert und beharrt seit inzwischen 15 Jahren darauf, dass
alle anderen Naturnutzer in Sachsen vor Wanderern zu Pferde geschützt werden
müssen.
Ich verabschiede mich denn mal. Zum Ritt in die Dübener Heide (anhaltinische
Seite) oder in die Schwäbische Alb. Denn dort und anderswo sind Reiter und
gastgebende Reiterhöfe kein unbedeutender Wirtschaftsfaktor, sondern in Sachen
Naturtourismus in jeder Hinsicht ernst genommene Partner.
Angelika Hoyer, Bundespressewartin VFD